Weiterentwicklung des Infra-Slow Fluctuation Neurofeedback: Die Integration von sLORETA und der Triple-Network-Theorie

Das Feld des Neurofeedbacks ist seit jeher von kontinuierlicher Weiterentwicklung und methodischer Verfeinerung geprägt. Eine besonders interessante Entwicklung stellt die Erweiterung des Infra-Slow Fluctuation (ISF) Neurofeedback durch die Integration von sLORETA-Neurofeedback sowie die Einbindung der Triple-Network-Theorie dar.

Infra-Slow Fluctuation Neurofeedback – Regulation auf der tiefsten Ebene

Das von Mark L. Smith entwickelte ISF-Neurofeedback konzentriert sich auf die Regulation der langsamsten neuronalen Oszillationen – typischerweise unterhalb von 0,1 Hz.

Diese Infraslow-Oszillationen stehen in engem Zusammenhang mit grundlegenden Regulationsprozessen des Gehirns:

  • physiologische Zustände

  • Arousal-Mechanismen

  • affektive Stabilität

  • autonome Balance

Dysregulationen in diesem Bereich zeigen sich häufig bei Störungsbildern wie Schlafstörungen, Angststörungen, Depressionen oder ADHS.

ISF-Training zielt darauf ab, die Fähigkeit des Gehirns zur Selbstregulation auf dieser fundamentalen Ebene zu verbessern – nicht durch Stimulation, sondern durch präzise Rückmeldung funktioneller Aktivitätsmuster.

Die Integration von sLORETA – räumliche Präzision

Die Ergänzung durch sLORETA (Standardized Low-Resolution Brain Electromagnetic Tomography) erweitert diesen Ansatz um eine entscheidende Dimension: die räumliche Lokalisation neuronaler Aktivität.

sLORETA ermöglicht eine dreidimensionale Abschätzung der kortikalen Quellen spezifischer EEG-Frequenzen. Dadurch wird nicht nur sichtbar, welche Frequenzen aktiv sind, sondern auch wo sie entstehen.

Die Kombination von ISF und sLORETA erlaubt somit:

  • eine präzisere Identifikation funktioneller Dysregulation

  • eine gezielte Auswahl relevanter Trainingsregionen

  • eine differenzierte Anpassung der Intervention

Nicht allein die Frequenz wird adressiert – sondern die zugrunde liegenden neuronalen Netzwerke.

Die Triple-Network-Theorie – Netzwerke verstehen

Eine weitere konzeptionelle Erweiterung ergibt sich durch die Einbindung der Triple-Network-Theorie.

Dieses Modell beschreibt die Interaktion dreier zentraler neuronaler Netzwerke:

  • Central Executive Network (CEN) – kognitive Kontrolle und exekutive Funktionen

  • Salience Network (SN) – Reizbewertung und Umschaltmechanismen

  • Default Mode Network (DMN) – Selbstreferenz und interne Verarbeitung

Zahlreiche Studien zeigen, dass Störungen in der Dynamik dieser Netzwerke mit psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen assoziiert sind.

Im Kontext des ISF-Neurofeedback liefert die Triple-Network-Theorie einen funktionellen Rahmen für:

  • die Interpretation infraslow-assoziierter Aktivitätsmuster

  • das Verständnis netzwerkbasierter Dysregulation

  • die Entwicklung gezielter Trainingsstrategien

Damit verschiebt sich der Fokus von isolierten Frequenzen hin zu funktionellen Netzwerkdynamiken.

Von Frequenzen zu funktioneller Organisation

Die Integration von ISF, sLORETA und der Triple-Network-Theorie stellt keine additive Technik dar, sondern eine konzeptionelle Weiterentwicklung.

Sie erlaubt:

  • ein tieferes Verständnis der funktionellen Organisation des Gehirns

  • eine präzisere netzwerkbasierte Intervention

  • eine differenzierte Betrachtung komplexer klinischer Muster

Neurofeedback wird dadurch nicht vereinfachter, sondern differenzierter – und in seiner Anwendung zugleich gezielter.

Ausblick

Die Kombination dieser Ansätze repräsentiert einen wichtigen Schritt hin zu einer stärker netzwerkorientierten, neurophysiologisch fundierten Neurofeedback-Praxis.

IFEN bietet in Zusammenarbeit mit Mark L. Smith Workshops zu diesem innovativen Ansatz in Europa an.

Weitere Informationen zu kommenden Trainings finden Sie unter:
neurofeedback-ifen.com