Lab-Stream-Layer Verfahren

Am Hanse Wissenschaftskolleg in Delmenhorst fand vor Kurzem die internationale Lab-Stream-Layer-Konferenz statt. Thomas Feiner war als Gast vor Ort und hat einiges über die neuen technischen Möglichkeiten in der Neurowissenschaft zu berichten.

Das Lab-Stream-Layer-Verfahren

Thomas Feiner weiß diese komplexe, aber für die Neurowissenschaften äußerst hilfreiche Technologie einfach und anschaulich zu erklären:

„‚Lab-Stream-Layer‘ ist, kurz gesagt, ein Verfahren, mit dem man in der Neurowissenschaft Signale aus verschiedenen Quellen zeitlich synchron zu einem Datenstrom zusammenführt. In den modernen Neurowissenschaften braucht man eine extrem hohe Präzision – und da dreht sich fast alles um ein sehr enges Zeitfenster! Das spielt bei fast allen Anwendungen wie z.B. einem Hirn-Computer-Interface eine entscheidende Rolle.

Demo zum Lab-Streaming-Layer-Verfahren von Christian A. Kothe, Swartz Center for Computational Neuroscience, University of California San Diego

Die Wissenschaft möchte in erster Linie wissen, was im Gehirn passiert, wenn verschiedene Reize auf das Organ einwirken. Die interessantesten Informationen gewinnt man unmittelbar nachdem ein Reiz erfolgt ist. Ich habe die Konferenz besucht, da ich mir Anregungen für mein eigenes Programm holen wollte. Wie einige ja wissen, arbeite ich mit Hirnforschern an Anwendungen, wie z.B. Ereigniskorrelierte Potentiale, sowie ereignisbasierte Bildgebung zur Erforschung von menschlichen Emotionen.

Dabei wird im Wesentlichen ein Stimulus ausgegeben, wie z.B. ein Bild oder ein Ton, und dieser Stimulus ist dann im EEG als Zacken oder Einbuchtung zu sehen. Die Software weiß so: ‚Aha – da ist jetzt irgendetwas passiert.‘ Und ab da an wird es schwierig. Zu dem Zeitpunkt, an dem das Bildsignal erscheint, muss zeitgleich auch eine Markierung (Trigger, Marker) im EEG erscheinen, damit auch wirklich das gemessen wird, was mit dem Stimulus in Verbindung steht. Zeigt sich ein Unterschied von nur 50 Millisekunden, ist das für den Hirnforscher eine halbe Ewigkeit.“

Auf Tuchfühlung in Delmenhorst

„Nun ich hatte die wunderbare Gelegenheit bei dieser Konferenz, Antworten auf alle meine Fragen zu bekommen.  Ich konnte viele interessante Leute aus dem Bereich der Hirnforschung kennenlernen und mir die Szene etwas genauer ansehen. Man konnte Leute aus der ganzen Welt dort treffen.

Ich traf Vertreter vom Swartz Center for Computational Neuroscience aus San Diego, welches ja einen ausgezeichneten Ruf hat. Matthew Grivich meinte, dass wir uns Deutschland nicht verstecken müssen. Ich traf einen Forscher aus China, der ein Neurofeedbackprotokoll entwickelt, welches direkt mit den Strömen aus dem Gehirn selber arbeitet.

Es war eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung, ich konnte interessante Kontakte knüpfen und bekam viele Anregungen für meine eigene Arbeit. Danke an Dr. Martin Bleichner und seinem Team für die gelungene und lehrreiche Konferenz.“

Zum Thema Gehirn-Computer-Interfaces gibt es einen ausführlichen und hervorragenden Vortrag von Christian A. Kothe auf Youtube, den wir auch in unserem Blog verlinkt haben!

 

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